Mein ganzes Leben lang habe ich das Wort Disziplin einfach falsch verstanden.
Ich habe gedacht, das wäre, wenn ein totaler Idiot dich anschreit und auf dir herumprügelt, damit du gezwungen wirst, Dinge zu tun, die du haßt, und die absolut blödsinnig, langweilig, schmerzhaft und nutzlos sind.
Ich habe das gedacht, weil das genau meine Erfahrungen waren mit Halbmenschen, die keine natürlichen, durch Liebe und Respekt gezeugten Verbindungen mit anderen aufnehmen konnten, und die dann zum Stock greifen müssen, um überhaupt irgendeine Form von Reaktion aus den anderen heraus zu prügeln.
Und es ist wahr, das ich dieses grausliche Beispiel meiner eigenen „Lehrer" dann auf mich selbst und meinen eigenen Körper und mein eigenes Bewußtsein angewendet habe.
Es ist wahr, es ist mehr als traurig, was ich all die Jahre lang mit mir selbst gemacht habe. Ich war mein eigener, persönlicher Folterer, der nie aufhört, nie schläft, dem keine Antwort, keine Anstrengung reicht, und der immer bei einem ist, egal wie weit man wegläuft, wie tief man sich versteckt, wie leise man lebt, oder wie flach man atmet.
Langsam wird es besser.
Langsam lerne ich neue Wege, mich selbst zu erziehen.
Freundliche, unterstützende, respektvolle Wege.
Wege der Liebe, die zu neuen Verbindungen führt, wo dann mehr Energie fließt, wo ich mich besser fühle, stärker fühle, und dann reagiere ich darauf, indem ich begeistert weitermachen WILL.
Disziplin ist, sich daran zu erinnern, was es war, das wir eigentlich machen wollten, und dann einen Weg zu finden, UNS SELBST ZU UNTERSTÜTZEN, daß wir das dann auch tun können.
Mit freundlicher und liebevoller Disziplin können wir jeden Tag ein wenig weiterkommen, ein wenig mehr dazulernen, und ein wenig besser mit unserem Gesamtmenschen in Harmonie treten.
Das ist eine positive Spirale, die niemals endet, und jede Schwingung, jede Steigerung ist schöner als die vorhergehende.